Taiji

Ruhe in Bewegung

Taiji (andere gewohnte Schreibweisen: Tai Chi / Taijiquan) ist eine alte chinesische Selbstverteidigungs- und Bewegungskunst. Taiji ist meditativ, körperkräftigend und fördert die Entfaltung der inneren Lebenskraft. Taiji-Formen bestehen aus fliessenden, meist langsam ausgeführten Bewegungsabfolgen. Taiji gehört zu den ganzheitlichen Ansätzen, da es der Gesundheit und Erholung sowohl des Körpers als auch des Geistes und der Seele dient.

Taiji ist eine faszinierende Bewegungs- und Meditationskunst geeignet für jedes Alter.

Wie bei verschiedenen anderen praktischen Ansätzen aus dem Fernen Osten gibt es auch beim Taiji mehrere Schulen/Stilrichtungen, die eine leicht voneinander abweichende Philosophie verfolgen. Die wesentlichen Prinzipien sind jedoch immer dieselben.

  • Chen-Stil-Taijiquan (陳氏)
  • Hao-Stil-Taijiquan (武家)
  • Sun-Stil-Taijiquan (孫家)
  • Wu-Stil-Taijiquan (吳家)
  • Wudang-Stil-Taijiquan (武當)
  • Yang-Stil Taijiquan (楊家).

An dieser Taiji-Schule wird der Yang-Stil unterrichtet.


Das Bild zeigt Cheng Man Ching (1901-1975). Er war ein chinesischer Taiji-Meister, Künstler und Arzt. Er ist bekannt dafür, dass er der erste Lehrer war, der Taiji im Westen verbreitet hat.


Taiji-Bestandteile

Stehen/Zhan Zhuang
Das Stehen war schon immer ein wichtiger Bestandteil der inneren Kampfkunst. Es ist eine hervorragende Übung um in den Körper hineinzuspüren ohne sich äusserlich zu bewegen. Durch diverse Stehübungen wird die Körperstruktur gestärkt, Gelenke können sich öffnen, Muskeln können sich entspannen, das Bindegewebe kann erspürt werden, Bänder und Sehnen werden elastisch. Durch konzentriertes Hineinspüren in den Körper beruhigen sich Gedankenströme  –  die Energie kann sinken (Song). Zhan Zhuang ist eine wertvolle Übung zur Verbesserung und Erhaltung der Vitalität. Diese Übungen werden erfolgreich gegen diverse Krankheiten eingesetzt.

Die Form
Die Form besteht aus langsamen harmonisch ineinanderfliessenden Bewegungen und stellt den Kampf gegen einen imaginären Gegner dar. Anhand der Taiji-Prinzipien lernt man sich dabei in einer entspannten, zentrierten und balancierten Art zu bewegen. Dabei werden die Gelenke geschmeidig gemacht, der Körper wird gekräftigt, die Koordination gefördert und die Blutzirkulation wird angeregt.Das Üben der Form beinhaltet nicht nur das Erlernen der verschiedenen Positionen, sondern es handelt sich um das Verstehen der Bewegung von Position zu Position. Es muss grosse Aufmerksamkeit auf die Synchronisation, das Timing und die Körperausrichtung gelegt werden. Wenn diese Ausrichtung stimmt kann sich eine natürlich entspannte Kraft entwickeln. Entspannung in und durch die Form entsteht durch das Bewusstwerden des ganzen Körpers.

Tui Shou, auch Fühlende Hände, Schiebende Hände oder Push Hands genannt
Tui Shou ist ein weiterer Baustein von Taiji. Man übt sich entspannt, balanciert und geerdet zu bewegen, auch wenn eine äussere Kraft einwirkt. Dabei muss die Kraft vom Gegenüber gespürt und verstanden werden, damit man dieser ohne Widerstand folgen/anhaften kann (Richtung und Stärke). Durch das Rückführen dieser Kraft sowie das hineinspüren in den Partner kann dieser aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Wichtig dabei ist, dass selbst keine Kraft angewendet wird. Tui Shou bringt ein spielerisches Element in das Taiji. Weiter zeigt es einem auf, ob die geübten Prinzipien vom Taiji-Unterricht verstanden worden sind, funktionieren und umgesetzt werden können.

Vier wichtige Fähigkeiten beim Tui Shou:

  • Zhan (stick), Nian (adhere), Lian (join), Sui (follow)

Song = Entspannung? Song bedeutet mehr als nur Entspannung (der Schwerkraft nachgeben, kraftlos in sich zusammensinken). Das chinesische Song zielt dagegen auf Sensibilität, erhöhte Wachsamkeit, Beweglichkeit und Leichtigkeit, gepaart mit einem bewussten und sparsamen Umgang mit Energie. Song ist die entscheidende funktionale Grundlage aller anderen wesentlichen Energien des Taijiquan.


Einige Taiji-Prinzipien

Vertikale Ausrichtung
Die Schwerkraft, die vertikal wirkt, ist die grösste Kraft die dauernd auf uns einwirkt während wir uns bewegen. Anhand dieser Kraft können wir unseren ganzen Körper ausrichten, so dass wir immer in perfekter Balance sind. Dabei ist wichtig, dass der Kopf entspannt aufgerichtet ist und die Sehnen sich entspannen. Somit wird das Lösen/Sinken ermöglicht.

Keine Verspannung aufbauen
Sämtliche Gelenke wie Schultern und Ellbogen müssen entspannt und mit dem Zentrum verbunden sein. Das Kreuz sollte geöffnet und entspannt sein. Die Gelenke sollten übereinander sein so dass keine Verdrehungen entstehen können (Beispiel: Hüftgelenk über Kniegelenk und über Fussgelenk).

Die Bewegungen werden vom Zentrum erzeugt
Eine Beckenbewegung löst Arm- und Beinbewegungen aus. Die Arme und Beine sind immer mit dem Zentrum verbunden. Der Köper bewegt sich ganzheitlich in einer fliessenden, entspannten und verbundenen Weise.

Klare Unterscheidung zwischen leer und voll (Yin und Yang)
Beweglichkeit kann nur entstehen wenn klar zwischen leer und voll unterschieden wird. Die leere Seite ist dabei entspannt, so dass eine fliessende Verlagerung des Schwerpunktes möglich ist. Dies kann mit einem Ball verglichen werden, der nur einen Berührungspunkt am Boden hat.

Die sechs Harmonien (Liu Her – nach Dai Long Bang, 1750)
1. Die Hände sind mit den Füssen verbunden
2. die Schultern mit den Hüftgelenken
3. die Ellbogen mit den Knien
4. Der Herzgeist (Shen) steht in direkter Beziehung zum Yi (Intention)
5. das Yi (Intention) mit dem Qi und
6. ist das Qi mit Jin (Kraft) verbunden.


Büchertipps

“Taijiquan – Die Kunst der natürlichen Bewegung”
von Christa Proksch
ISBN 978-3-901618-23-9

“Es gibt keine Geheimnisse “
Professor Cheng Man Ching und sein Taijiquan
von Wolfe Löwenthal
ISBN 978-3-928288-05-7

“An der Pforte zum Wunderbaren”
Weitere Betrachtungen zu Cheng Man Ching’s Taijiquan
von Wolfe Löwenthal
ISBN 978-3-928288-31-6

“Das Wesen des Taiji-Quan – Die geheimen Trainingsdokumente der Familie Yang”
von Stuart Olson
ISBN 978-3-89901-350-4

“the Taijiquan Classics”
von Zhang Yun, David Ho, Peter Capell, Susan Darley
ISBN 978-0-578-17886-8

“Trainieren statt operieren – Gesunde Füsse sind die Träger eines gesunden Körpers”
Dr. med. Christian Larsen
ISBN 978-3-442-17217-7